Sonntag, 26. Juni 2022

Ostseesegeln 2022 - Wieder nach Dänemark

Trollhätte-Kanal

Von Spiken aus fuhren wir morgens weiter mit Ziel Vänersborg. Wir genossen die Fahrt durch den Schärengarten um Kallandsö. 

Wie gewohnt war der Wind uns nicht gewogen. Kaum hatten wir die Schärenfahrwasser verlassen, blies er uns genau aus Richtung Vänersborg entgegen. Aufgrund der vor uns liegenden Entfernung von ca. 35sm und der Windstärke (6-7) war an Aufkreuzen nicht zu denken. Bei zeitweise viel hackiger Welle von vorn motorten wir nach Vänersborg, wo die letzte Etappe unseres Binnenabenteuers beginnen sollte. Hier startet der Trollhätte-Kanal und die Passage durch den Göta Älv nach Göteborg.

Der Trollhätte-Kanal ist ein anderes Kaliber als der Götakanal. Die Schleusen sind mehr als doppelt so gross und haben bis zu 12m Hub (bzw. in unserem Fall: Fall). Es geht tief hinunter zwischen die Mauern der Schleusen hinein. 

Dazu kommt, dass man mit viel Wartezeit rechnen muss. Wir starteten bereits um 9 Uhr und wollten früh in die erste Schleuse. Nach der Ausfahrt warf ich einen kurzen prüfenden Blick zurück zur Brücke, hinter der der Vänernsee liegt. Siehe da: sie war offen und unter ihr zwängte sich ein 90m-Frachtschiff durch, das in den Kanal wollte. Die "Birthe Bres" hatte also Vorfahrt. Wir durften zwar hinter ihr durch die Brücke fahren, hinter der der Kanal beginnt, aber an der ersten Schleuse 3sm später mussten wir warten. Die dicke Birthe füllte die Schleuse komplett aus. Wie gross sie ist, zeigte uns der Kontrast zu dem Segelboot, das danach hochgeschleust wurde und das in der Schleuse ganz winzig aussah, bevor wir endlich nach 50 Minuten runter durften. 

Bei der Stadt Trollhätte hat man den grössten Höhenunterschied zu überwinden. 4 Schleusen hintereinander bringen uns 33m bergab. Bei Ankunft oben fahren wir an den Wartesteg. Noch nicht richtig fest, kommt das Signal, dass das Tor bald geöffnet wird. Also wieder ablegen. Nach 15min Kreisen, ohne dass etwas passierte, legten wir wieder an. Noch nicht richtig fest, kommt das Signal, dass jetzt geöffnet wird. Wieder ablegen, in die Schleuse hinein. Dort liegen wir fest und warten aufs Schleusen, aber wieder passiert fast 20 Minuten lang nichts. Infos kommen auch nicht. Dafür tauchen bald hinter uns in der Schleuse zwei Segelboote auf. Eines davon die Espiritu, die in Vänersborg noch ausführlich mit Freunden gefrühstückt hatten und anderthalb Stunden nach uns losgefahren waren. Gemeinsam fuhren wir weiter bis vor die letzte Schleuse, wo Espiritu in den Hafen fuhr. Da dieser schon recht voll und wir aufgrund der verlorenen Zeit halbwegs frustriert waren, beschlossen wir, in den Abend hinein weiterzufahren. Es lohnte sich, denn wir erreichten den einsamen kleinen Steg unterhalb der Burgruine in Kungälv.


Erst am nächsten Tag ging es schliesslich durch die vor Göteborg sich ballenden Industriezonen in die zweitgrösste Stadt Schwedens. Im zentrumsnahen und daher teuren Hafen Lilla Bommen machten wir fest und besichtigten am Nachmittag die Stadt. 

Endlich wieder Ostsee

Die Vorfreude aufs Meer war gross. So ging es schon früh am nächsten Morgen an Fähren, Kreuzfahrtschiffen und riesigen Containerschiffen vorbei aus dem gigantischen Hafen von Göteborg (der grösste in Nordeuropa) hinaus zwischen die kargen aber wunderschönen Schären vor Göteborg.

Ziel: Vinga, eine der ganz aussen gelegenen Schären. Die Insel ist klein, der Hafen winzig und tückisch. Zwischen zwei Inseln gelegen schiebt und dreht sich eine Strömung je nach Windrichtung westlich oder östlich durch den Hafen, die beim An- und Ablegen gemein sein kann. Als wir ankamen, war der Hafen schon proppevoll, aber man fand noch einen Platz im Päckchen und in zweiter Reihe von vorn. 

Hier wurde das Mittsommerfest sehr ruhig begangen. Alle assen und grillten und waren freundlich, aber von wildem Besäufnis und Gesang bis in die Nacht keine Spur. 

Übrigens wimmelte es hier von Quallen, die uns auch in den kommenden Tagen begleiten werden.

So machten wir uns denn nach einigen Erkundungen über Stromrichtung und Wassertiefe am Morgen um acht ans Ablegemanöver. Ich hatte alles richtig eingeschätzt und konnte den Strom nutzen, der uns rückwärts um die enge Kurve half und uns dann aus dem Hafen bugsierte. Sofort Segel setzen, und dann wieder aufs offene Meer hinaus. Wir hatten uns vorgenommen, das berühmte und berüchtigte Kattegat zu überqueren. Bei gutem Wind konnten wir zwei Drittel der Strecke segeln, danach drehte der Wind und nahm ab. Der Rest also unter Maschine. Aber auch das war bei dem Verkehrsaufkommen auf dem wichtigsten Ostseezugang für die ganz grossen Schiffe (etwas kleinere nutzen den NOK) schon aufregend genug. Schon weit vor Skagen sahen wir erneut zahlreiche Grossschiffe, aber es stellte sich heraus, dass die alle vor Anker lagen und uns nicht in die Quere kommen würden. 

Im grossen Fischereihafen von Skagen liegt derweil eine grosse Flotte von Fischkuttern und Trawlern aus halb Europa. Entsprechend riecht es bei der Einfahrt. Wir finden einen Platz längsseits am Kai im zweiten Gästebecken.

Skagen

Vorm Frühstück am Sonntag eine Überraschung. Der Hafenmeister kommt und verkündet, dass man nicht mehr längsseits liegen darf, sondern sich auf Heckanker legen muss, weil sehr viele Boote erwartet werden. Erstaunlicherweise gelingt das Manöver auf Anhieb. Ich hoffe, wir bekommen den Anker später auch wieder frei. Also auf zum Tagesprogramm mit etwas Verspätung: Wir leihen Fahrräder aus und fahren zur Nordspitze - zum berüchtigten Skagens Rev, wo Kattegat und Skagerrak aufeinandertreffen, gut erkennbar an den gegeneinander laufenden Wellen. 

Auf der Rückfahrt gewittert und giesst es kurz. Und als wir beim Boot ankamen, lag dieses um zwei Meter nach rechts versetzt mit einem anderen Nachbarn - einer 65-Fuss-Motor-Luxusyacht, die sich kurzerhand mit Hilfe des Hafenmeisters in unserer Abwesenheit mal Platz gemacht hat. Am Nachmittag nutzten wir die Velos noch für eine kurze Tour Richtung Süden und einen Grosseinkauf. Für die nächsten Tage wollen wir wieder auf kleinere und grössere Inseln fahren.


Montag, 20. Juni 2022

Ostseesegeln 2022 - Götakanal Teil 2

Zum höchsten Punkt im Kanal

Von Motala stand zunächst der grosse Schlag (17sm) über den Vätternsee an. Der Wind war nicht sonderlich günstig, so dass wir motoren mussten. Nach halber Strecke konnten wir wenigstens das Vorsegel zu Hilfe nehmen und hatten so nach einigen Tagen Pause wenigstens einmal wieder das Gefühl, auf einem Segelboot zu sein. Bei der westlichen Ausfahrt in Karlsborg wurde es schlagartig wieder eng. 

Kleine Durchfahrten brachten uns durch wilde Wälder bis nach Forsvik, wo für den Folgetag die letzte Aufwärtsschleusung auf uns wartete. Diese brachte uns zum mit 92m höchsten Punkt des Götakanals, in den wildromantischen Vikensee. Besonders spannend war die Fahrt zwischen den alten Treidelmauern im See, über die noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein Schiffe von Hand durch die Kanäle gezogen wurden.

Der Wind blies uns kräftig entgegen. Für die Fahrt durch den See kein Problem, und auch in den Kanälen gut zu managen, solange man nicht vor einer Brücke oder Schleuse warten muss. Dann aber versetzt der Seitenwind das Boot gewaltig zur Seite. Eine gute Gelegenheit für verschiedene Manövrierübungen, um das Boot einigermassen an der Stelle und immer weit genug entfernt vom flachen und steinigen Kanalufer zu halten. 

Nach der ersten flachen Abwärtsschleusung in Tatorp strebten wir unserem Etappenziel entgegen, dem kleinen Ort Töreboda, wo wir uns auch im Supermarkt wieder einmal verproviantieren konnten. Bei einem gemütlichen, aber recht windigen Grillplausch mit der Espiritu-Crew haben wir einen beachtlichen Teil des eben Eingekauften direkt wieder verzehrt. Einen spontanen Absacker gab es an diesem Abend bei Landsleuten aus der Schweiz.

Zur Ausschleusung

Die Strecke für den nächsten Tag war kurz: Töreboda - Sjötorp = 10sm. Dabei aber zahlreiche Schleusungen abwärts und viele Dreh-, Klapp- oder Rollbrücken. Das Abwärtsschleusen erwies sich als regelrecht erholsam gegenüber der Gegenrichtung. Wenn man schön langsam die Leinen nachgibt, stören einen weder Turbulenzen noch Strömungen in der Schleuse und es geht abwärts wie im Fahrstuhl. Inzwischen haben wir uns auch an die zahlreichen Zuschauer gewöhnt, die ungefragt filmen und fotografieren und Bilder von uns Segelstars irgendwo posten.

Nach einer ausgiebigen Mittagspause in Lyrestad war dann plötzlich der Wurm drin. Erst wollte die Ampel an der ohnehin dauergeöffneten Eisenbahnbrücke daselbst nicht auf grün schalten. Es dauerte eine Weile... Einen Kilometer weiter die nächste Rollbrücke blieb gleich ganz geschlossen. Nach 15 Minuten Manövrierübungen im Seitenwind legten wir am Wartesteg an und versuchten es etwas penetrant mehrfach mit der Gegensprechanlage. Erst nach mehr als 20 Minuten reagierte jemand und öffnete uns die Brücke. Nach mehreren Schleusen erreichten wir das obere Hafenbecken in Sjötorp, von dem aus wir aber durch eine weitere Doppelschleuse ins mittlere wollten. Vor uns fuhr ein anderes Boot in die Schleuse. Zwei Missverständnisse später war auch die Espiritu drin, neben der wir keinen Platz mehr hatten, und die Schleusenwärterin machte zu. Wir waren noch oben im Wartebereich. Erst nachdem die Espiritu ihr erklärt hatte, dass wir eigentlich auch mitwollten, versprach sie uns, dass wir danach auch noch runterfahren dürfen. Also drehten wir eine Viertelstunde lang Kreise im oberen Hafenbecken. Unten war dafür fast alles belegt. Aber mit den Freunden von der Espiritu war ohnehin abgemacht, dass wir bei ihnen im Päckchen anlegen würden - also kein Problem. Der Götakanal lag bis auf die letzte Schleuse in den Vänernsee hinter uns. 

Am Morgen folgte dann die Ausschleusung, und es war halbwegs segelbarer Wind angesagt. Schon bald setzten wir die Segel und machten uns auf die lange Strecke durch den riesigen Vänernsee, wo es auch viele kleine Inseln, Schären und Leuchttürmchen gibt.

Zwischenzeitlich liess der Wind etwas nach, aber insgesamt freuten wir uns über die 10 Segelmeilen (von 32 insgesamt). Nun liegen wir im pittoresken Fischereihafen von Spiken, wo es viele kleine Läden und Fischrestaurants gibt und wo sogar ein eigenes lokales Bier gebraut wird. Fein.

Von hier aus geht es morgen weiter nach Vänersborg. Dort treffen wir wieder auf die Espiritu, mit der wir bereits die Fahrt durch den Götakanal gemeistert und sehr genossen haben. Dann geht es in zwei Tagen durch den Trollhätte-Kanal nach Göteborg und endlich auch wieder ins Meer. Bis dahin geniessen unsere Jungs den langen Sommerabend und erkunden das Schilflabyrinth im Hafen von Spiken im Dingi.

Donnerstag, 16. Juni 2022

Ostseesegeln 2022 - Götakanal Teil 1

Einschleusen

Nach der Ankunft an der Einfahrt zum Götakanal war zunächst unklar, wann wir einschleusen können. Wir hofften auf den nächsten Tag, wurden aber enttäuscht: Warten auf den Saisonstart war angesagt, und das war erst am 14.6. Dummerweise rammte am frühen Morgen ein Passagierschiff das obere Schleusentor, so dass Reparaturen nötig wurden und den Saisonstart um eine Stunde verzögerten. Bis dahin hatten sich dann auch schon einmal 15 Boote versammelt, die alle da rein wollten. Es dauerte also. Gegen Mittag waren wir endlich auch dran. Natürlich begann es dann zu regnen, und wie. Auch die Himmelsschleusen schienen sich öffnen zu wollen. 

Das Schleusen ist eine spannende Sache. Man passiert das untere Schleusentor und fährt zwischen die Mauern hinein ins (mehr oder weniger) tiefe Loch. Melanie hat die Enden der langen Vor- und Achterleinen in der Hand und führt sie an Land mit, um sie oben festzumachen.

Wenn 3-4 Boote in der Schleuse parat sind, wird das untere Tor geschlossen durch das obere strömt Wasser ein. Dann ist es Aufgabe an Bord, die Vorleine dauernd nachzuholen, damit das Boot in der Strömung einigermassen stabil liegen bleibt. 

Ist man oben, geht das obere Schleusentor auf und man fährt weiter. Klingt kompliziert, aber man gewöhnt sich daran. Anstrengend aber ist es für alle. Zumal, wenn es wie in unseren ersten drei Schleusungen wie aus Eimern schüttet und zwischenzeitlich sogar hagelt. 

Zwischendurch gibt es immer wieder mal Dreh-, Klapp- und Rollbrücken, vor denen man an einer Ampel auf die Öffnung wartet. Und dann Doppelschleusen: Aus der Schleusenkammer fährt man hinaus sofort in die zweite Schleusenkammer. Das obere Tor wird zum unteren und es geht direkt noch eine Etage weiter. 

Wir kommen leider nicht so weit, wie wir es gern wollten, aber wenn um 18 Uhr Torschluss ist, bleibt man einfach an einem Wartesteg liegen und übernachtet dort.

Durch die Kanäle bis Motala

Dafür ist man am nächsten Tag gleich auf Position. Wir haben uns mit Rafael, Imke und Elia mit Labrador Emma, der Crew der Espiritu, zusammengetan und sind seither mit ihnen unterwegs, teilen Freuden und Anstrengungen der Kanalfahrt. 

Nach einigen Schleusen und Brücken kommt zunächst die Überquerung des Roxensees, an dessen Ausgang eine der grössten Attraktionen des Kanals wartet: Die siebenstufige Schleusentreppe Berg - richtig: sieben direkt übereinander geschaltete Schleusenkammern. Es ist bullig heiss, so dass es unten in der Schleusenkammer wie im Backofen ist. Das macht das Hantieren mit den Seilen besonders anstrengend. Dazu kommt, dass die Treppe auch für Camper-, Fahrrad- und andere Touristen eine Attraktion ist, so dass jetzt schon zu Saisonbeginn viele Zuschauer die Schleusen säumen.

Nach vierzehn Schleusen ist wieder Zwangspause. Übernachtung am Wartesteg, ausführliches Bad im Kanal, die Kinder paddeln mit dem Dingi im Kanal herum. Am Abend geht es ins Café für ein kleines Eis... Meins fällt besonders hübsch und üppig aus.

Am nächsten Morgen weiter. Wir passieren mehrere Passagierschiffe ...

... und kommen durch idyllische Kanalstrecken ...

... in den Borensee zur nächsten Schleusentreppe. Hier erwarten uns die steilsten Schleusen mit dem grössten Hub im gesamten Kanal. Kurze Zeit später legen wir in Motala an, am Eingang zum Vätternsee. Inzwischen haben wir uns auf 88m über dem Meer hochgearbeitet. Noch 4 nach dem Vätternsee, dann geht es wieder bergab in Richtung Vänern.

Montag, 13. Juni 2022

Ostseesegeln 2022 - Auf zum Götakanal

Landsort

Von Utö aus ging es weiter immer gegen den Wind. Nur kleine Stücke können wir segeln, und das eher aktiv: Segel hoch – Segel runter, Segel hoch – reffen – Segel runter… Wir landen auf der Insel Öja. Das ist eine ehemalige schwedische Bastion aus Zeiten des Kalten Krieges. Seit den 1990er Jahren ist die Insel aber (wieder?) bewohnt. Mit klapprigen Fahrrädern fuhren wir über die langgestreckte Insel durch Birkenwäldchen und Felsenlandschaft zum Südende. Dort gibt es einen malerischen kleinen Ort à la Bullerbü in der Nähe des Leuchtturms. Das ist übrigens der älteste noch in Betrieb befindliche Leuchtturm Schwedens.



Nochmal nach Broken

Leider war die Nacht auf Öja etwas unruhig, da am (sonst wunderschönen) nördlichen Hafen immer wieder mit Karacho Lotsenboote vorbeifahren und erheblich Schwell verursachen. Am nächsten Morgen ging es gen Broken – der erste Ort (und vielleicht einzige?) Ort unserer Reise, den wir ein zweites Mal besuchen. Wir konnten sogar einige Stücke gut segeln. Bei der Insel Krokholm bemerkten wir vor uns dichten Nebel und trauten uns nicht weiterzufahren. Also bogen wir in die Bucht ab und legten uns zunächst an eine Boje des Schwedischen Cruisingklubs. Dann versuchten wir, vor Heckanker an einen Felsen zu gehen um ein wenig die Insel erkunden zu können. Das misslang aber, da der Heckanker partout nicht halten wollte. Also beschlossen wir nach einigen gescheiterten Versuchen weiterzufahren – nicht ohne vorher unseren derzeitigen Gast wieder aufzuladen... Wir hängten uns einem schwedischen Segler an und folgten diesem in den Dunst. Der Nebel erwies sich als gar nicht so dicht, wir kamen letztlich recht problemlos durch die Fahrwasser bis nach Broken. 

Und wie es so ist – beim zweiten Mal ist es doch nicht mehr ganz so schön. Es waren etwa 15 Boote da (im Unterschied zu einem beim letzten Mal). Das Wetter war zwar schöner und der Anker hielt wie eine Eins, aber irgendwie war es nicht ganz so entspannt. (Natürlich: Das ist Klagen auf hohem Niveau. Wunderschön ist die Insel immer noch.)

 Auf zum Kanal

Von Broken aus nahmen wir uns vor, an Arkösund vorbei direkt nach Stegeborg weiterzufahren. Wieder konnten wir etwas mehr als am Vortag segeln. Auf dem Weg passieren wir zwei holländische Plattbodenschiffe.

Das Wetter war wechselhaft, aber die Fahrt wurde immer schöner. Besonders die sich verjüngenden Fjorde hinter Arkösund in Richtung Mem gefielen uns sehr gut. Stegeborg hatte auch Potenzial uns zu gefallen. Die Ruine auf der kleinen Insel sieht sehr interessant aus. Leider war der Gasthafen bereits voll und wir wurden mehr oder weniger wieder weggeschickt. So fuhren wir direkt nach Mem am Eingang zum Götakanal weiter, wo wir jetzt seit zwei Tagen liegen und darauf warten, dass am 14. Juni (also morgen) die Hauptsaison beginnt und wir einschleusen können. Vor uns geht aber sicher noch eines der Kanal-Kreuzfahrtschiffe die Schleuse hinauf. Die «Wilhelm Tham» lief heute ein und wartet für morgen früh auf ihre Schleusung. Die Fahrt in kleinen Kabinen mit Doppelstockbetten und Etagen-WCs soll ein einmaliges Erlebnis sein.

Auf uns warten etwa 220 sm Kanal- und Seenfahrt mit insgesamt über 60 Schleusen, die uns auf 92 Höhenmeter und wieder zurück auf Ostseeniveau und nach Göteborg bringen werden. 

Mittwoch, 8. Juni 2022

Ostseesegeln 2022 - Am nördlichsten Punkt der Reise

Nach Stockholm

Aus den Schären fuhren wir in den Södertäljekanal und passierten dort die Schleuse in den Mälarensee, einen riesigen weitverzweigten See, der sich von Stockholm aus weit nach Westen erstreckt. Im kleinen und versteckten Naturhafen Rastaholmen legten wir einen Zwischenstopp ein, bevor wir uns zwischen den Inseln in Richtung Stockholm weiterschlängelten. Dort zunächst einmal unter einer Brücke hindurch. Hier habe ich zum ersten mal aktiv am Seefunk teilgenommen und die Brückenöffnung erbeten.

Dann folgte die Schleusung 40 cm wieder hinunter in die Ostsee (durch die Hammerbyslussen) und dann durch eine weitere Klappbrücke mitten hinein ins quirlige Hafenleben von Stockholm. Dort passierte so einiges: Abiturienten feierten ihre Abschlüsse lautstark singend auf gecharterten Ausflugsschiffen. In einer Ecke des Hafens stand ein riesiger amerikanischer Flugzeugträger, und zahlreiche andere Marineschiffe waren auch anwesend - moderne wie auch museale Stücke. 



Im Hafen erfuhren wir, dass die schwedische Marine ihr 500jähriges Bestehen feiert. Zudem ist am 6.6. auch noch Nationalfeiertag. Da machten wir einen kleinen Ausflug mit klapprigen gelben Hafenvelos und landeten prompt im Spalier für den vorbeikutschierten König Carl XVI Gustaf. 

Das alles war unsererseits ungeplant, da wir vor der Ankunft in Stockholm von alledem nichts wussten. 

Wunderbar und sicher einen Besuch wert sind ausserdem das Wasamuseum und Skansen. Das berühmte Museum präsentiert unglaublich eindrucksvoll das Schiff Wasa, das aufgrund eines Konstruktionsfehlers auf der Jungfernfahrt 1628 nach anderthalb Meilen kenterte und sank. Die beinahe vollständige Bergung und Restaurierung des Wracks in den 1950er bis 70er Jahren erlaubt heute tiefe Einblicke in das Leben des 17. Jahrhundert.

Skansen ist vieles auf einmal: Zoo nordischer Tiere, Vergnügungspark und Freilichtmuseum. Wir verbrachten dort einen tollen und abwechslungsreichen Tag.


Die Entscheidung: Wir fahren wieder südwärts

Vor Stockholm war noch unklar, wie es genau weitergehen sollte. In Stockholm fiel die Entscheidung. Schweren Herzens verzichten wir aus Zeitgründen auf die Aland-Inseln. Es läge zwar knapp drin, aber dafür käme man aufs Ende hin vielleicht noch in Stress, und das wollen wir doch lieber vermeiden. Also beschliessen wir, den Bug wieder nach Süden und Westen zu lenken. Vorerst wollen wir durch die Stockholmer Schärengärten wieder in Richtung Arkösund fahren. Dort entscheidet sich dann, ob wir schliesslich doch durch die Kanäle und grossen Seen in Richtung Göteborg fahren. 

Die erste Südetappe führte uns durch den engen Skurusund an Saltsjöbaden vorbei zur Insel Härsö, wo wir uns mit Wolfgang und Andrea von der moeck moeck verabredet haben. Ein vorerst letztes Treffen auf dieser Reise, denn sie werden weiter nach Norden fahren. Es war schön mit Euch einige Stücke der Reise teilen zu dürfen!


In Härsö nahmen wir bei herrlichem Wetter und annehmbarer Wettervorhersage Abschied. Kaum waren wir aber einige Inseln weitergefahren, bliesen uns statt der angesagten 3 Bft satte 6-7 entgegen. Glücklicherweise gut zwischen den Inseln, da waren die Wellen kaum der Rede wert. Das änderte sich, als wir auf dem Weg nach Utö die geschützten Fahrwasser nördlich der Insel Ornö verliessen. Hier hatte der Wind Platz und konnte eine hohe (1-1,5m) und unangenehm kurze Welle aufbauen, die uns genau entgegenkam. Segler auf Gegenkurs waren mit Vorsegel bei den 22-29 kn Wind noch recht entspannt unterwegs und schaukelten auf den durchlaufenden Wellen dahin. Wir dagegen hatten das genau gegenan: Gefühlt also 27-34 kn Wind und ein Schiff, das von einer Welle in die nächste kracht. Mit Segeln war da schon lange nichts mehr. Gegen die Wellenberge wären wir nicht angekommen. Also unter Maschine nach Utö, wo wir einmal mehr vor Heckanker liegen und die Annehmlichkeiten des Hafens sowie die Schönheiten der Natur geniessen.

Mittwoch, 1. Juni 2022

Ostseesegeln 2022 - Auf in die Schärenwelt

Jetzt geht es endlich weiter mit unseren Reiseberichten. In den letzten Häfen gab es entweder kein WLAN oder es war so langsam, dass an neune Text und Fotos nicht zu denken war. Hier also eine Zusammenfassung unserer letzten Segeltage:

Figeholm - Västervik

Unsere Freunde sind in Västervik wieder von Bord gegangen. Am verregneten und böigen Samstag blieben wir dort und sahen uns die Stadt an. 

Västervik - Fyrudden

Erst am Sonntag ging es weiter - durch die ersten wirklichen Schärenfahrwasser nach Norden. Bei herrlichem Wetter konnten wir uns gar nicht recht vom Segeln trennen und fuhren gleich nach Fyrudden, wo wir eigentlich erst nach zwei Etappen hinwollten.

Fyrudden - Arkösund

Und der Folgetag erst: Super-Segelwetter, enge Fahrwasser, fantastische Schärenwelten und unzählige Kummel, Stangen, rote Tonnen, grüne Tonnen, schwarz-gelbe Tonnen und natürlich Leuchttürme und Leuchttürmchen.







Arkösund - Broken

Der Tag begann regnerisch, sollte aber windtechnisch gut werden. Es wurde sehr regnerisch und windiger als gedacht. Aber wir fuhren weiterhin unter Segeln durch die engen Schärenfahrwasser. Vorab hatten wir uns die kleine Insel Broken als Ziel ausgesucht - und das hat sich gelohnt. Die Insel und ihr kleiner Hafen gehört zum Segelklub von Nyköpping und wird von dessen Mitgliedern vorbildlich betrieben. Es gibt einen langen Schwimmsteg, an dem man auf ca. 4m Tiefe vor Heckanker festmacht. Das Anlegen mit Heckanker mussten wir auch erst dreimal üben, bevor es klappte. Auf der Insel mehrere Trockentoiletten und eine Saune mit Meerblick. Ansonsten viel Stille und Natur. Die Jungs haben dort ihren ersten Barsch geangelt, der unser Abendbrot ergänzte. 

Broken - Skansholmen

Wir wollen durch den Södertäljekanal nach Stockholm. Die erste Etappe dorthin haben wir gemeistert. Nach einem Schönwettertag und den bislang engsten Schärendurchfahrten unserer Reise bogen wir in den langen Fjord ein, der nach Södertälje führt. Der Südwind im Kanal auf dem Weg nach Norden bescherte uns schönes Schmetterlingssegeln.

Auf halber Strecke liegt der Hafen Skansholmen, wo urplötzlich mächtige Böen das Schiff schüttelten und unsere Anlegeroutine ganz schön durcheinanderbrachten. Die Jungs gingen angeln und brachten schon den zweiten Fisch mit...

Kurzstatistik
Gefahren: 591 sm, davon 352 sm reines Segeln, einige Seemeilen Motorsegeln, Rest unter Maschine.

Gefangen: 2 Barsche.

Inseln: Fehmarn, Hiddensee, Rügen, Bornholm, Christiansö, Utklippan, Öland, Blaue Jungfrau, Broken, Mörkö.