Samstag, 2. August 2025

CINNA NAUKA auf Tour - Das war der erste Törn

Ich habe CINNA NAUKA heute im Hafen Hunzegat bei Zoutkamp dichtgemacht, und dort liegt sie nun erst einmal. Ende September werde ich nochmals für ein paar Tage dort sein. Je nach Wetter kann ich vielleicht noch einmal zwei-drei Tage fahren, das Wichtigste werden aber die Vorbereitungen für die Überwinterung sein. Doch davon zu gegebener Zeit.

Ich habe in den letzten zwei Tagen noch ein wenig am Schiff gearbeitet, viel geputzt und kleinere Arbeiten durchgeführt. Nummer eins: Ich habe ein einfaches Papier- und Kartenfach unter dem Esstisch im Salon installiert. 

Ausserdem hatten wir einen neuen Feuerlöscher gekauft, auch dieser wurde anstelle des alten an der richtigen Stelle befestigt. Der alte wanderte als Notvorrat in der Kiste. 

Die wohl wichtigste Arbeit war das Abdichten einiger kleiner Leckagen im Deck. Dafür war der Regen der letzten Tage nun doch hilfreich: Ich sah das Wasser und konnte ihm bis zum Leck folgen. So fand ich heraus, dass ein bisschen Wasser auf beiden Seiten vom Bug aus entlang dem Landstromkabel ins Innere gelangt. Das dichtete ich mal von beiden Seiten ab. Da müssen wir sehen, ob das schon hält. Vorsichtshalber habe ich saugstarke Lappen an der Stelle liegen gelassen. 

Ein weiteres kleines Leck hatten wir im Bereich des Salons. Hier lief bei Regen etwas Wasser in eines der Fächer über dem Tisch. Ich fand heraus, dass an der Genua-Schiene eine Schraube fehlt und das Wasser durch dieses Loch hereinläuft. Dem war einfach abzuhelfen: passende Schraube suchen, reichlich Dichtmittel drauf, anschrauben, fertig. Jetzt liegt CINNA NAUKA hoffentlich dicht und sicher gut geschützt in Zoutkamp, direkt am Schilf, und wartet auf unseren nächsten Besuch.

Sommertörn und Jungfernreise mit CINNA NAUKA

Stationen

Harlesiel - Spiekeroog - Langeoog - Baltrum - Norderney - Juist - Greetsiel - Groningen - Zoutkamp - Lauwersoog - Lauwersmeer - Zoutkamp

Distanz

137,5 Seemeilen, davon ca. 74 unter Maschine, 33 unter Segel und 31 Motorsegeln.

Bilanz

Wir sind sehr glücklich mit CINNA NAUKA: sie fährt sehr stabil, erwies sich als überaus seetüchtig und gut zu handhaben. Vor allem bot sie uns ausreichend Platz auch zu viert. Das Wattenmeer hat ein bisschen von seinem Schrecken verloren und viel an Faszination für uns gewonnen. Jeden Tag haben wir viel über das Schiff, die Nordsee, das Wattenmeer und v.a. über das Schifffahren gelernt. Kleine Fehler passieren immer wieder - wir nahmen sie sportlich und als Ansporn zum Bessermachen - siehe unsere Berichte aus den letzten Wochen. Es war eine tolle Fahrt, wir haben uns ins Wattenmeer gewagt und uns darin gut zurechtgefunden, selbst die als schwierig geltende Ems haben wir gut gemeistert und sind also segeltechnisch und auch mit CINNA NAUKA rundum zufrieden.

Mittwoch, 30. Juli 2025

CINNA NAUKA auf Tour: Einhanderfahrungen

Nach Lauwersoog

Drei weitere Tage bin ich nun schon einhand unterwegs. Nach der Ankunft in Zoutkamp am Sonntag habe ich am Montag ein paar Informationen zum Thema Winterlager eingeholt. Aber das Wetter versprach einigermassen gut zu bleiben und meine Erfahrungen vom Sonntag waren nicht zu schlecht - ich nahm mir also vor, doch noch einen kleinen Ausflug zu wagen. Ich wollte nach Lauwersoog, und dafür sprach dreierlei: Erstens wurde die Fahrt über das Naturschutzgebiet Lauwersmeer (Meer ist im Holländischen ein Binnensee) von allen Seiten angepriesen. Zweitens liegt Lauwersoog am Deich zwischen Lauwersmeer und Lauwerszee, einem Teil der Waddenzee (Zee ist im Holländischen das Meer). Drittens versprach das Wetter einen Motortag gegen den Wind und danach einen perfekten Tag, um mit halbem bis achterlichen Wind nicht nur einhand zu motoren, sondern wenigstens unter Genua auch richtig zu segeln.

Am Montagmittag legte ich also in Hunzegat/Zoutkamp ab und fuhr aus dem Hafen, wo mir der stramme Nordwestwind schon ein bisschen Respekt einflösste. Aber es war halb so wild. Das Lauwersmeer ist ein flaches Gewässer mit gut markierten Fahrwassern. Links und rechts davon aber wird es schnell sehr flach und es wachsen üppige Schilf- und Graswiesen, auf den Hochlandrinder und halbwilde Pferde weiden. 

Ausserdem ist das gesamte Areal ein riesiges Vogelschutzgebiet, wo man zahlreiche Arten aus grosser Nähe bewundern kann, wohl auch Seeadler, aber das war mir nicht vergönnt, stattdessen verschiedenste Möwen-, Enten-, Gänse- und Taucherarten, Silberreiher. Schön.

Nach Norden hin öffnet sich das Gewässer immer mehr und baut bei den 4-5 Windstärken auch so etwas wie ein bisschen Welle auf. Zum Glück gibt es einen Kartenplotter, der einem bei der Orientierung zwischen den vielen Fahrwassertonnen sehr hilft. Wenn man sich gerade in der Realität nicht zurechtfindet, helfen immer noch die einheimischen Bootfahrer, denen man - vorsichtig und immer verifizierend - folgen kann. Gut zwei Stunden nach Abfahrt kam ich bereits im sehr grossen Binnenhafen von Lauwersoog an. Ich legte mich längsseits an einen Gästesteg. Dann unternahm ich einen kleinen Spaziergang auf die andere Seite des Deiches, wo ich mal wieder einen Blick auf das Watt und die Nordsee werfen konnte. 

Der Blick in Richtung Schiermonikoog ist super. Ausserdem gibt es im Aussenhafen einen Bootszubehörladen mit mittelfreundlichem Personal, aber immerhin hatten die ein Topplicht, das ich nun über den Winter mal installieren kann, damit endlich alles am Boot funktioniert. Als ich zurück zum Boot kam, war ich ziemlich eingeparkt und konnte so schon einmal anfangen, mir Gedanken zu machen, wie ich da am Dienstag wieder rauskomme, falls die anderen länger bleiben als ich. 

Endlich auch Segeln einhand

Am Dienstag gegen Mittag verzog sich der erste Regen. Der Wind blieb um die 4 Beaufort aus Nordwest, sollte später auf West drehen. Aber erstmal musste ich ablegen. Da hilft, was ich schon von vielen Einhandseglern gelesen und gehört hatte: Zeit lassen. Also bereitete ich alles vor und überlegte mir verschiedene Möglichkeiten. Um zu testen, welche wohl am praktikabelsten sein könnte, löste ich vorsichtig verschiedene Leinen um zu sehen, was passiert. Wohin treibt CINNA NAUKA? Komme ich so raus? Gefiel mir das Resultat nicht, machte ich wieder fest. Es stellte sich heraus, dass ich wohl am besten rückwärts rauskomme, indem ich die Vorleine bis zuletzt stehen lasse und nach dem Loswerfen schnell achteraus wegfahre. Das ist aber nur gut möglich, wenn man Hilfe von aussen hat, und glücklicherweise fand sich eine freundliche Seglerin bereit, mir im richtigen Moment die Leine zu lösen und an Bord zu werfen. Damit war ich mal frei und konnte nun aus dem Hafenbecken manövrieren. Der nächste Schritt war weiteres Neuland für mich. Ich stoppte im kleinen Vorhafen das Boot auf, liess es treiben und holte Fender ein und klarierte Leinen, immer wieder prüfend, was CINNA NAUKA nun macht und im Zweifelsfall zwischendurch korrigierend. Es stellte sich heraus, dass man doch recht viel Zeit hat, um auf diese Weise Sachen zu erledigen. Danach ging es westwärts durch die Hafenzufahrt wieder hinaus, mehr oder weniger gegen den Wind, aber nach einer knappen Meile konnte ich abfallen und nun - einigermassen nervös - die Genua zu etwa drei Viertel ausrollen. Auf dem Halbwindkurs lief CINNA NAUKA gleich mal mit 5 Knoten zu Rauschefahrt auf.

Je weiter man nach binnen kommt, desto mehr musste ich abfallen und desto zahmer wurde auch der Wind, und so segelte ich mit guten 3-4 Knoten im Schnitt wieder landeinwärts. Nun stand noch die Entscheidung an, ob ich direkt nach Zoutkamp zurückfahren oder doch eine Nacht an einem der kostenlosen Stege von Marrekite mitten im See verbringen will. Der Steg am südlichen Ende des offenen Lauwersmeers tat es mir dann an. Direkt daneben holte ich einem spontanen Entschluss folgend die Genua ein, startete den Motor und machte fest. Mittagessen, Mittagsschlaf, Lesen und Landschaft geniessen waren angesagt. Eine fantastische Einrichtung, diese Stege. 

Das wusste auch eine andere Crew einer Centaur ("Noorderzon") zu schätzen, die im Laufe des Nachmittags hinter mir festmachte und mit der ich später noch bei nettem Austausch zwei Bierchen trank. Zwischendurch gab es ein paar Mal kräftige Schauer mit vorausziehenden Böen um Windstärke 5-6. 

Aber man liegt dort wirklich sicher, und mit dem Bug im Wind kann man im Cockpit unter der Sprayhood sitzen und dem Spektakel zuschauen. Eindrücklich.

Hochmut kommt vor dem Fall

Nach einer erholsamen und sehr dunklen Nacht mit unglaublich klarem Sternenhimmel - das Lauwersmeer gilt als eine der am wenigsten lichtverschmutzen Gegenden Europas und es war kurz nach Neumond - begann der Morgen ruhig, hielt aber auch noch ein paar Schauerböen parat.

Erst am Mittag beruhigte sich das Ganze, und der Wind aus Westnordwest - schräg von vorn und weg vom Steg - brachte mich auf die Idee, unter diesen idealen Bedingungen doch einmal das Ablegen unter Segeln zu versuchen. Die Maschine lief natürlich im Leerlauf mit - zur Sicherheit. Aber ich hatte einen Plan. Ich war mit einer Vorleine, einer Achterleine und meiner Mittelleine fest. Zuerst löste ich die Vorleine und stieg wieder aufs Boot, machte die Vorleine direkt wieder gebrauchsfertig. Danach musste es etwas schneller gehen. Nach dem Lösen der Mittelleine trieb CINNA NAUKA, nur von der Achterleine gehalten, mit der Nase vom Steg weg. Nun musste schnell ein Stück Genua ausgerollt und dichtgeholt werden, um nicht gegen die hinter mir liegende Noorderzon zu treiben. Während CINNA NAUKA mit der Genua Fahrt aufnahm, holte ich die Achterleine ein und war tatsächlich weg. Die Crew der Noorderzon und zwei gerade vorbeifahrende Segelboote waren sichtlich beeindruckt und zeigten mit Daumen hoch ihre Anerkennung - da fühlt man sich gleich richtig gut und kriegt innere Höhenflüge. Aber keine Sorge, das Hochgefühl wird beim Alleinsegeln anscheinend immer wieder und schnell gedämpft. So auch heute. Zunächst aber Sahnesegeln, sogar bis in die Hafeneinfahrt von Zoutkamp. Das war dann doch etwas zu gewagt, denn beim Anluven in den doch eher engen Hafen hinein nahm CINNA NAUKA noch einmal gewaltig Fahrt auf, so dass ich sehr schnell das Segel bergen und den Motor als Bremse gebrauchen musste. So im Schuss fuhr ich direkt an den nächsten freien Fingersteg, ohne mir weiter Gedanken zu machen. Schliesslich hatte das ja bisher immer gut geklappt. Aber heute die falsche Seite: Der Wind trieb mich vom Steg weg auf das Nachbarsboot. Zum Glück waren wir gefendert und es passierte nichts. Aber es brauchte eine Weile, um zurück an den Fingersteg zu kommen und dort festzumachen. Viele Fehler auf einmal, der wichtigste aber: Ich habe zu schnell agiert. Ich hätte nach dem Segelbergen in Ruhe im Hafenbecken eine Runde drehen können, kurz über das Anlegemanöver nachdenken, alles vorbereiten. So war es halt ein bisschen peinlich und für mich selbst ärgerlich. Und wieder was gelernt. 

Sonntag, 27. Juli 2025

CINNA NAUKA auf Tour: Von Juist nach Zoutkamp

Juist - Greetsiel

Nach sechs Tagen auf Juist segelten wir am Donnerstag, dem 25. Juli, nach Greetsiel. Es war etwas bewölkt, aber die Windvorhersage verhiess 3-4 Beaufort aus der richtigen Richtung für diese 15sm lange Überfahrt. Wir setzten schon im Juister Hafen das Grosssegel und segelten mit Maschinenunterstützung durch die Juister Hafenzufahrt hinaus, setzten bald auch die Genua dazu und kamen so gut voran, Generalrichtung Süd. Der Wind nahm dann aber doch etwas zu und erreichte 5, in Spitzenböen bis knapp 6 Beaufort. Aus Nordwest erzeugt das durchaus einen spürbaren Wellengang, aber CINNA NAUKA nimmt das - so scheint es - gelassen.

Kurz vor der Schleusenzufahrt in Leysiel nahmen wir die Segel runter und motorten durch einen kräftigen Regenschauer in die Schleuse. Danach klarte es wieder auf. Die Fahrt durch den See und das dazugehörige Vogelschutzgebiet war ganz wunderbar, und wir bestaunten bald die farbenfrohe Fischerflotte im Hafen von Greetsiel - eine der grössten im Wattenmeer. 

Den Nachmittag und Abend verbrachten wir mit einem Spaziergang durch das schöne, aber von Touristen überlaufene Dorf Greetsiel, erledigten Einkäufe und bunkerten Diesel. Sehenswert neben dem Fischereihafen sind die beiden Windmühlen, von denen eine ein Café, die andere einen grossen Bioladen beherbergt. 

Einen freundlichen Schwatz mit dem Hafenmeister und ein kleines Abendbrot später fanden wir uns dann zum Abschiedsumtrunk mit den Segelkolleg*innen von der Drift und von der Namaste. Hier werden sich unsere Wege trennen, da wir am nächsten Tag jeweils anderen Zielen entgegenstreben wollten. Nur mit der Drift wurde noch ein gemeinsames Segeln in die Ems geplant, wo wir nach Delfzijl abbiegen wollen und sie noch eine Station weiter den Fluss hochfahren. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. 

Greetsiel - Groningen

Am Freitagmorgen starteten wir schon gegen 8:40 in Greetsiel, um möglichst gut die verschiedenen Hochwasserzeiten im Ley-Fahrwasser und in der Osterems zu nutzen und dann möglichst lange mit der auflaufenden Flut die Ems hinauffahren zu können. Mit drei anderen Booten standen wir in der Schleuse und fuhren hinauf in Richtung Nordsee, als uns eine Unaufmerksamkeit passierte, die zum Glück letztlich glimpflich ausging. Ein Halteseil der Schleuse, die hier ziemlich eng gespannt sind, verhakte sich hinter der Relingsstütze und liess sich - weil wir schon so hoch gestiegen waren - nicht mehr lösen. Die Relingsdrähte drohten zu reissen und die Relingsstütze drohte auszubrechen. Da half nur noch beherzter Abschneiden der zwei Drähte. Zum Glück habe ich die "nur" mit Tauwerk am Heckkorb befestigt, das sich leicht kappen liess. Jetzt hingen wir nur noch mit der Relingsstütze fest. Der Schleusenmeister liess die anderen Boote erst einmal ausfahren, dann schloss er die Schleuse wieder, fuhr mit und einen Meter wieder hinunter und - nachdem wir ausgehakt hatten - wieder hinauf. Das passiert uns sicher nicht noch einmal. Mit nicht vorhandener Backbordreling fuhren wir dann hinaus in die Nordsee und direkt an den Wartesteg der Schleuse, wo ich die unbeschädigten Relingsdrähte wieder mit dünnem Tauwerk befestigte. Dann konnten wir weiter und waren tatsächlich noch halbwegs im Zeitplan. Nur die Drift war in der Zwischenzeit schon ein halbes Stündchen voraus und das gemeinsame Segeln in die Ems passé. 

Wir waren alle reichlich bedröppelt von diesem Ereignis, obwohl ja genau betrachtet nichts wirklich Gravierendes passiert war - zumindest keine bleibenden Schäden. Nun setzten wir in der Hafenzufahrt das Gross - im ersten Reff. Es zeigte sich, dass meine Konstruktion mit dem Einleinenreff funktioniert. Dann segelten wir zunächst mit Maschinenunterstützung, später dann ohne, durchs Leyfahrwasser und auf einer Abkürzung übers Watt weitern in die Osterems. Der Wind war wechselhaft, aber wir segelten standhaft weiter ohne Motor. Der Strom schob bisweilen mit fast zwei Knoten und half dadurch dabei, dass wir einigermassen im Zeitplan bleiben konnten. Vorm Einbiegen in das Hauptfahrwasser der Ems, wo wir schon von Weitem einige grosse Pötte hin- und herziehen sahen, mussten wir noch einmal recht hoch an den Wind. CINNA NAUKA machte das gut, nur für die Familie war das manchmal etwas anstrengend, In die Ems hinein konnten wir dann deutlich abfallen, dafür nahm dann der Wellengang doch erheblich zu und schaukelte uns ganz schön. Irgendwann waren wir direkt vor dem Wind. Das macht langsam und schaukelig. Zudem drohte uns die Zeit mit der Flut davonzulaufen Wir beschlossen also, nur unter Genua weiter motorzusegeln, und das erwies sich als goldrichtig, denn wir kamen bequemer und dank dem Flutstrom recht flott voran, bis wir bei Tonne 46 das Hauptfahrwasser querten und kurz danach in den industriell-eindrücklichen und langweiligen Zufahrtskanal nach Delfzijl einbogen. Da es erst kurz nach 15 Uhr war, wollten wir noch nach Groningen weiterfahren, mussten aber leider über eine Stunde vor der Seeschleuse in Delfzijl warten, bis wir zusammen mit einem Grossschiff und 6 anderen Segelbooten und diesmal problemlos hochgeschleust wurden. 

Dann ging es durch den Kanal auf der Stehenden Mastroute durchs holländische Festland auf Groningen zu. Da es dabei über weite Strecken geradeaus geht, konnten wir auch erstmals unseren automatischen Pinnenpiloten einsetzen und ausprobieren: funktioniert und hält das Schiff - wenn er mal richtig eingestellt ist - problemlos auf Kurs. Gegen Halb neun am Abend erreichten wir Groningen und fuhren in den recht engen Hafen des Groninger Motorbootclubs ein. Dort fanden wir ein schönes Plätzchen, um uns vom bisher längsten Segeltag unserer Reise (41sm) zu erholen.

Groningen - Zoutkamp oder: Erstmals einhand unterwegs

Am Samstag verholten wir uns etwas mehr in Zentrumsnähe in den Oosterhaven. Von dort aus erkundeten wir die Stadt Groningen, die auf uns auf den ersten Blick etwas schmuddelig wirkte, dann aber doch ihre schönen Seiten zeigte. Hübsche Häuser, einfach schönes Ambienten mit den vielen Kanälen, alter und neuer Architektur. Wir kauften ein, spazierten durch die Stadt und assen gut. 

Hier in Groningen war am Sonntagmorgen auch Abschied angesagt: Die Familie nahm den Zug zurück in Richtung Schweiz, während ich in Ermangelung einer Begleitung nun allein unterwegs war. "Einhand" sagt man im Jargon, nicht etwa, weil mir eine Hand abhanden gekommen wäre, oder weil - wie manche sagen, eine Hand zum Festhalten da ist und deshalb nur eine für die Arbeit übrig bleibt, sondern weil "hand" im Englischen auch einen Decksarbeiter meint, wie man beispielsweise am Englischen Ausdruck "All hands on deck" merkt, wo auch nicht zwanzig Hände aus den Luken gestreckt werden, sondern tatsächlich die zehn dazugehörigen Leute mitsamt den Händen an Deck springen. "Single handed" = "einhand" meint schlicht, dass nur eine Person da ist, die alle Arbeit macht. 

Ich hatte mir Einiges angelesen und in den letzten Tagen auch von anderen Einhandfahrern abgeschaut. Wichtigstes Arbeitsinstrument: Auf jeder Seite eine Festmacherleine vorbereitet von der vorderen Mittelklampe (Ja, wir haben zwei auf jeder Seite.) auf die Schotwinsch im Cockpit. So konnte ich jederzeit längsseits an einen Steg gehen, aufstoppen, die Leine über einen Poller legen, dichtholen, und schon war ich fest. Das habe ich heute einige Male so gemacht, und es funktioniert fantastisch einfach. 

Ich hangelte mich zusammen mit der Motoryacht Kalypso aus Bremen durch die wunderschönen Kanäle von Groningen durch zahlreiche Brücken bis ins Reitdiep, den Kanal, der nach Zoutkamp und ins Lauwersmeer führt. 

In der Schleuse ins Reitdiep wurde es dann nochmal schwierig. Das Anlegen gelang nicht so gut, weil sich dreimal meine Fender an den Pfählen vor der Schleusenmauer verhakten und CINNA NAUKA sich jedes Mal quer in die Schleuse stellen wollte. Erst als ich nicht ganz so nahe an die Wand hinanfuhr und meine Mittelleine aus etwas Distanz über den Poller auf der Mauer warf, wollte es gelingen. Auch hier wieder das Motto: Nichts passiert, aber grosser Lerneffekt. 

Vorbei an zahlreichen Brücken und idyllischen Plätzchen wie hier in Garnwerd ...

... ging es nach Roodehaan, wo sich der Kanal merklich verbreitert und vor Zoutkamp sogar fast schon wie ein richtiger See wirkt. Bei konstanten 4-5 Windstärken, die jetzt plötzlich bliesen, gab es sogar etwas Wellengang: Zoutkamp liegt voraus.

Letztlich erreichte ich gegen 17:20 Uhr den Hafen von Hnzegat gleich hinter Zoutkamp, wo ich CINNA NAUKA jetzt liegt. Alegemanöver ging problemlos, auch weil die Nachbarn immer freundlich mit den Festmachern helfen. Ausserdem gab es von der benachbarten Segelyacht Ronja, ihrer freundlichen Besatzung und deren mitgeführter Kaffeemaschine erstmal einen wunderbaren Milchkaffee zur Begrüssung. Das ist ja mal nett - vielen Dank!

Mittwoch, 23. Juli 2025

CINNA NAUKA auf Tour - Schwimmende Ferienwohnung auf Juist

Wir sind ein bisschen frustriert. Vor nunmehr sechs Tagen sind wir auf Juist angekommen. Verschiedene Umstände haben verhindert, dass wir hier wieder wegkommen. Da ist zunächst mal das Wetter: Bei Wind von mehr als 5 Beaufort oder angekündigten Schauer- und Gewitterböen über 7 Beaufort fahren wir nun mal (wie die meisten anderen Segler auch) nicht raus. Dann die Tide: Für den weiten Schlag nach Delfzijl brauchen wir eine ganze Tide: Vom Hochwasser zum nächsten Hochwasser. Und wenn das zweite Hochwasser mitten in der Nacht liegt, können wir mit unserem defekten Topplicht leider nicht fahren. Das steht also auf der To-Do-Liste: Topplicht reparieren.

Am Montag dieser Woche wären die Tiden super gewesen, aber da kommt Punkt drei: Melanie hat sich am Sonntag Nachmittag heftig den Rücken verrenkt und quält sich seither mit Schmerzen. Langsam wird es unter Einfluss von entsprechenden Medikamenten besser, so dass wir nun wieder ans Ablegen denken können.

So bleibt uns viel Zeit zum Handwerken am Schiff: Putzen, Motorservice (Ölstand prüfen, Keilriemen nachspannen, Kühlwasserfilter reinigen), Sprayhood nachnähen (immer wieder ein Stückchen, da das ziemlich ermüdend ist), das Reffsystem optimieren, Kleinteile kaufen (im "Schrauben und Gedöns"-Laden - der heisst wirklich so und ist cool!) und installieren, Taue spleissen.

Ausserdem gehen wir immer mal wieder in die hübsche, lebendige Stadt zum Einkaufen, Eis essen, Baden am Nordstrand, Musik hören am Pavillon im Park oder auch mal zum Austern essen. 

Zudem bietet Juist verschiedene Ausflugsmöglichkeiten - wir sind vom 7. Längengrad her ,,,

... nach West geradelt und nach Ost gewandert. 

Und Florian konnte seine Surfkenntnisse auffrischen - selbständig, weil er ja im Oktober seinen Grundschein erworben hat.

CINNA NAUKA liegt derweil friedlich im Juister Hafen und dient uns als schwimmende Ferienwohnung. Sie erweist sich dabei als geräumiger als gedacht. Wir haben doch zu viert recht gut Platz und fühlen uns wohl. Es bleibt viel Zeit zum Plaudern mit den Nachbarn und hin und wieder bekommen wir Besuch von unseren holländischen Bekannten von der Drift und geniessen gemeinsam entweder die friedliche ...

... oder die gewittrige Abendstimmung.

Morgen, Donnerstag wird es nun endlich weitergehen. Wetter und Tide sind günstiger, der Rücken macht wieder einigermassen mit. Der Plan ist, nach Greetsiel zu fahren, dort zu übernachten, und dann am Freitag weiterzufahren nach Delfzijl und vielleicht sogar direkt in die holländischen Kanäle und nach Groningen.

Freitag, 18. Juli 2025

CINNA NAUKA auf Tour - Ostfriesische Inseln

Baltrum

Von Langeoog fuhren wir - mehrheitlich motorsegelnd - noch Baltrum weiter. Zunächst einmal gab es - allerdings unfreiwillig - die obligatorische Boje-über-Bord-Übung mit einem von Bord gefallenen Kugelfender, weil der Fenderknoten nicht gehalten hat. Kann passieren. Im Wattfahrwasser kommt dann zum ohnehin schon Konzentration erfordernden Manöver noch dazu, dass man auf die Wassertiefe achten muss und nicht ins Flache geraten will, wo man sich dann fest fährt, nicht mehr wegkommt und dem Fender (im Notfall: der über Bord gegangenen Person) nur noch traurig nachwinken kann, während er/sie von der Strömung irgendwohin getragen wird. Aber wir haben unseren Kugelfender wieder eingefangen.

In Baltrum blieben wir einen Tag, um die Insel ein wenig kennenzulernen. Sie ist ausreichend klein, um an einem Tag komplett zu Fuss umrundet zu werden. 

Man wandert durch eine Watt- und Dünenlandschaft am Südufer entlang und dann über den breiten Sandstrand an der Nordküste zurück in Richtung Dorf. Unterwegs geht es zurzeit an der Baustelle vorbei, wo gigantische Rohre als Kabeldurchführungen in Horizontalbohrung unter der Insel durchgeschoben werden, um später den Strom vom Offshore-Windpark in Richtung Festland zu leiten. Der Strand und die Surferbar luden zum Verweilen und zum ersten Nordseebad ein. Die Jungs spielten mit anderen Kids Fussball, Ladderball und anderes, während wir uns ein kühles Getränk schmecken liessen. Sehr gemütlich.

Norderney

Einen wunderbaren Segeltag gab es für die Überfahrt von Baltrum nach Norderney. Immer um Halbwindkurse herum segelten wir fast die gesamte Strecke durch das Wattfahrwasser bis vor die Hafeneinfahrt von Norderney. Dort fand ich den quer zur Hafeneinfahrt setzenden Ebbstrom tatsächlich sehr beeindruckend. Man muss deutlich vorhalten, um nicht in die Hafenmauer getrieben zu werden, obwohl man eigentlich die Einfahrt anpeilt. Der Hafen selbst war erstaunlich voll - wir lagen letztlich im Päckchen in dritter Reihe an unseren holländischen Segelkollegen von der DRIFT und einem riesigen 47-Fuss-Aluminium-Segler. Es waren viele sehr grosse Schiffe da. Überhaupt war CINNA NAUKA hier in Norderney eins von den ganz kleinen Schiffen - sie heisst ja auch so. 

Auch in Norderney verbrachten wir einen Hafentag. Zunächst kaufen wir Lebensmittel, und ein bisschen Bootszubehör. Dann trugen wir unsere zwei Dieselkanister dreimal zur Tankstelle, um endlich CINNA NAUKAs Tank zu füllen. 

Dann nahmen wir den Bus in Richtung Stadtmitte und gingen shoppen in Norderney City. Auf der Wanderung zurück entlang der Westküste öffnete sich der Blick in die berüchtigten Seegaten von Dovetief und Schluchter, die aus der Nordsee an Norderney vorbei ins Wattenmeer führen. Bei Wind von 5 Beaufort aus Nord und genau dorthin ablaufendem Strom baute sich da eine kräftige Welle auf, durch die wir keinesfalls hätten segeln wollen. 

Bevor wir am Freitagmorgen weiterfuhren, erkundeten wir noch auf einem langen Spaziergang das Watt und das sehr schöne Vogelschutzgebiet gerade östlich vom Hafen: Austernfischer, Löffler, Reiher, Möwen, Kormorane und viele mehr gaben sich ein Stelldichein.

Von Norderney nach Juist

Am Freitag Nachmittag brachen wir gut zwei Stunden vor Hochwasser in Norderney auf. Im grossen Hauptfahrwasser mussten wir erstmal einer Schnellfähre aus dem Weg fahren und erreichten dann das Memmertfahrwasser, das an an der Südküste von Juist entlang führt. Gerade an der Ostecke der Insel erfreute uns wieder eine volle Seehundbank, und Seehunde begleiteten uns auch auf der ganzen Fahrt: Immer wieder einmal tauchte einer in der Nähe von CINNA NAUKA auf. Leider war uns der Wind nicht sehr gnädig: 1-2 Beaufort bringen unser Schiffchen noch nicht ins Segeln, und so waren wir die gesamten 10sm nur unter Maschine unterwegs. Jetzt sind wir hier im Hafen von Juist und bleiben einen Tag hier, bevor wir am Sonntagmorgen den langen Schlag nach Delfzijl in Holland in Angriff nehmen. Der Törn wird uns über zwei Wattfahrwasser in die breite Ems hinein führen, wo es zum ersten Mal das Gefühl von weiter, offener See geben wird.



Sonntag, 13. Juli 2025

Cinna Nauka auf Tour - Und sie bewegt sich doch

 Jungfernfahrt: Harlesiel nach Spiekeroog

Nun war es endlich soweit. Am Samstag, dem 12.7.2025, ging Cinna Nauka mit uns auf ihre Junfernfahrt unter ihrer neuen Identität. Alles war gut geplant: Ablegen in Harlesiel 12 Uhr. Aber verschiedene Umstände verzögerten unsere Abfahrt auf 13 Uhr. Nervös genug waren wir alle. Funktioniert alles? Sind Schiff und Crew wirklich seetüchtig? 

Ablegen und Schleusen verliefen problemlos - da war unsere Erfahrung aus dem Götakanal 2022 Gold wert. (Wenn es Euch interessiert: Die Berichte dazu findet Ihr noch hier bei uns im Blog unter "Ostseesegeln 2022".) 

Nach der Schleusung lag plötzlich das Wattenmeer vor uns und aus demselben kam uns ein Fährschiff entgegen. Kurz entschlossen fuhren wir noch vor dessen Anlegemanöver aus dem Hafen in die enge Fahrrinne nach draussen. Diese führt über ca. 2sm raus ins Wattenmeer. Das auflaufende Wasser der Flut sorgte für den einen oder anderen Spritzer Nordseewasser ins Gesicht. Hinter dem westlichen Steindamm kommen dann ein paar grüne Fahrwassertonnen, von denen aus man direkt übers Watt in Richtung Westen fahren kann. Das ganze Gebiet fällt bei Niedrigwasser trocken und sieht dann nicht so aus, als könnte dort ein Schiff fahren: 

Jetzt aber war es ca. eine Stunde vor Hochwasser, und dann gibt es für Cinna Nauka mit ihrem Meter Tiefgang genug Wasser. Der Plan war also, bei Tonne H23 das Grosssegel zu setzen und dann in Richtung Spiekeroog abzufallen. Aber das Segelsetzen hatten wir noch nicht getestet, und so waren doch vom Segelanschlagen einige Leinen noch nicht so, wie sie sein sollten. Sie mussten im Prozess noch entheddert werden. Dafür brauchten wir eine ganze Weile und konnten so erst bei Tonne H19 abfallen. Macht nichts, Cinna Nauka segelte mit halbem Wind wunderbar übers Watt ins Harlesieler Wattfahrwasser und in diesem weiter in Richtung Otzumer Balje und nach Spiekeroog.  

Insbesondere nach der Überquerung des Wattenhochs wurde uns doch leichter ums Herz: Das mit der Gezeitenberechnung funktioniert tatsächlich. Wattfahren ist kein Hexenwerk. Die Wattfahrwasser sind gut mit sogenannten Pricken (Birkenstämmchen, die neben dem Fahrwasser im Sand stecken) markiert. Hat man das Wattenhoch überquert, wird das Wasser wieder tiefer, bald weicht der Prickenweg einem betonnten Fahrwasser, und um 15:15 - etwas vor meinem Plan - machten wir im Hafen von Spiekeroog fest. Im AIS-Programm sah die Route so aus:

Spiekeroog gefiel uns sehr gut - ein kurzer Spaziergang vom Hafen aus führt in den malerischen Ort mit vielen Cafés, Restaurants und natürlich auch einer Eisdiele. Auf der anderen Seite kommt bald schon ein idyllischer Dünenweg, der dann zum Nordstrand führt. Jetzt bei Niedrigwasser ist dieser schön breit. Und welche Überraschung: Zurück im Hafen war das Wasser weg, und Cinna Nauka steckte mit ihren zwei Kielen tief im Schlamm. 

 Zum Glück kommt das Wasser in regelmässigen Abständen zurück.

Motorsegeln: Spiekeroog nach Langeoog

Nach einem wunderschönen Morgen in Spiekeroog ...

ging es am Mittag - ca. anderthalb Stunden vor dem lokalen Hochwasser - wieder raus. nordöstliche Winde versprachen die Möglichkeit, bei nur achterlichem Wind einmal zu testen, ob und wie Cinna Nauka nur unter Genua segelt. Ergebnis: Bei so leichtem Wind geht das nicht, da braucht es das Grosssegel. Zusammen mit dem anfangs kräftigen, gegenläufigen Strom kamen wir unter Genua nicht vorwärts und hätten auch mit dem Gross dazu einige Mühe gehabt. So wurde ein Tag des Motorsegelns daraus: Den grössten Teil der Fahrt legten wir mit Genua und Maschine zurück und hatten uns dafür selbstverständlich vorschriftsgemäss gekennzeichnet - der schwarze Kegel, Spitze nach unten, über dem Vorschiff.

Beim Einbiegen ins Langeooger Wattfahrwasser passierten wir sehr nahe eine Seehundbank. Auch vor- und nachher sahen wir den einen oder anderen Seehund im Watt herumschwimmen.

Dann folgten wir recht eng dem gewundenen Prickenweg in Richtung Langeoog Hafen.  

Zum Teil übernahmen Melanie und Benjamin die Pinne und trainierten das gefühlvolle Steuern des Schiffes.

Schon nach etwas über zwei Stunden erreichten wir die Insel Langeoog. Auch hier fällt der Hafen trocken, aber Cinna Nauka versank leider nicht aufrecht im Schlick, sondern nahm eine Schräglage an wie sonst nur beim Am-Wind-Segeln...

Hier sind wir jetzt, hatten nette Abendunterhaltung mit der Crew einer holländischen Westerly namens "Drift", und wollen morgen weiter nach Baltrum. Wir hoffen, dass es ein bisschen mehr Wind geben wird als die angesagten 2 Beaufort.



Freitag, 11. Juli 2025

CINNA NAUKA auf Tour - die letzten Vorbereitungen

 Seit 6. Juli sind Benjamin und ich nun bei Cinna Nauka und haben noch einmal eine Woche gearbeitet, gebastelt, gewerkelt und Baustellen beseitigt. Eine lange To-Do-Liste haben wir uns dafür vorgenommen. Aber wie immer geht erst einmal etwas schief und bringt den Plan durcheinander. Dieses Mal:

Wir haben am Sonntag den Wassertank gefüllt. Ich wunderte mich irgendwann, dass der nicht voll wurde - was man normalerweise daran erkennt, dass das Wasser beim Einfüllstutzen überläuft -, bis Benjamin Wasser im Schiff meldete. Der Inspektionsdeckel für den Wassertank war gebrochen und von den Vorbesitzern nur ungenügend repariert worden, sodass nun das Wasser dort auslief und nach den Vorschiffsmatratzen nun das Schiff füllte. Eine Pump- und Wischaktion später war das Schiff wieder trocken, die Matratzen brauchten dafür einen ganzen Tag. Der Inspektionsdeckel wurde etwas aufwändiger repariert, aber da muss früher oder später sicher ein neuer angefertigt werden. Jetzt hält es mal, aber wir füllen den Tank vorsichtshalber nicht bis zum oberen Rand.

Aber nun die To-Do-Liste: An der Elektrik war noch einiges zu tun. Jetzt haben wir ein paar USB-Steckdosen an Bord, die Batterien sind neu verkabelt und das Funkgerät mit AIS läuft jetzt (siehe unten...). 

Gleich am Montag war Benjamin einmal mit dem Bootsmannsstuhl im Mast und hat die Leine an der Backbord-Saling wieder eingefädelt, sodass wir jetzt ein vollständiges Set an Lazyjacks haben. Ihr erinnert Euch: ich hatte die Leine dummerweise an Himmelfahrt ausrauschen lassen. 

Dann haben wir einige Beschläge montiert: Fallenklemme und Winsch auf dem Kajütdach ...

... eine Klemme für die Rollleine des Vorsegels ...

... sowie Ringe für die Befestigung der Sicherungsleinen, an der wir uns befestigen und so sicher an Bord bewegen können.

Dann wurde die Achterkabine saniert und ein Stauplan ausgedacht. Nebenbei immer wieder Schiff putzen und Kleinigkeiten erledigen.

In Luzern hat Melanie in der Zwischenzeit schicke neue Namensschilder genäht, die an der Reling Platz finden. Seit gestern (11.7.) ist die Familie nun komplett an Bord.

Gestern bin ich dann noch einmal in den Mast gestiegen und habe dort ein zusätzliches Fall angebracht, die Windex repariert (und ein neues Problem dort verursacht) und die Topplaterne inspiziert.

Für diese Arbeiten mussten wir noch einmal zum Mastenkran fahren, der mich sicherer nach oben bringt als das eigene Rigg. Auf dem Weg zwischen Liegeplatz und Mastkran ist uns ein nerviges, aber sehr (!) lehrreiches Malheur passiert. Wir haben vergessen, vorher das Seeventil für die WC-Abpumpung zu schliessen (das war offen, weil wir auch die Toilette getestet und in Gang gesetzt haben). Das führte dazu, dass durch die Fahrt Wasser aus dem Hafen ins WC gezogen wurde und wieder einmal langsam das Schiff unter Wasser setzte. Zum Glück auf kurzer Fahrt im Hafen und nicht auf langer Fahrt draussen auf See. Wir haben wieder abgepumpt und gewischt. Es dauerte eine Weile, bis ich die Ursache gefunden hatte, aber dafür sind wir jetzt um eine sehr wichtige Erfahrung reicher geworden. Das wird uns sicher nicht noch einmal passieren.

Ab heute (12.7.) sind wir nun unterwegs, Abfahrt ist gegen 12 Uhr. Da wir ein AIS-Signal senden, könnt Ihr uns nun live verfolgen. AIS ist das Automatische IdentifikationsSystem für Schiffe. Es dient der Verhütung von Kollisionen. Grosse Schiffe und Berufsschiffe müssen das haben, wir können - und ich wollte das gerne auf meinem Schiff installieren.

In der App oder auf der Website "Marine Traffic" könnt Ihr nach Cinna Nauka suchen, dann sehr Ihr, wo wir gerade unterwegs sind.



Sonntag, 1. Juni 2025

CINNA NAUKA auf Tour - So langsam wird es

Freitag, 30.5.

Am Donnerstag war also Maststellen und die ersten 100m Fahrt mit dem Schiff. Am Abend stellten sich leider leichte Kopfschmerzen ein, was sich als ein Anflug von Seekrankheit herausstellte. Das nach längerer Abstinenz eher ungewohnte Schaukeln und die vielen kleinen Arbeiten - mehrheitlich kopfüber in den engen, dunklen, leicht muffigen Kellergewölben des Schiffs ("Bilge" genannt) - haben meinen Gleichgewichtssinn gehörig durcheinandergebracht. Der Freitag begann entsprechend träge und mit wenig Elan, aber das eine oder andere wurde doch auch am Vormittag fertig. Am Nachmittag brauchte ich schliesslich eine kleine Auszeit und ging auf Spaziergang in Richtung Ort und später in Richtung Meer. Einen Kaffee, ein Stück Kuchen und ein Stündchen Meer Gucken später ging es mir auch wieder besser.

Leider war der Wind jetzt sehr böig geworden, sodass ich mich nicht ans Segel anschlagen gewagt habe. Stattdessen habe ich das Funkgerät in Betrieb genommen und dabei peinlich genau darauf geachtet, meine Funknummer (MMSI) korrekt einzugeben. Das kann man nämlich nur einmal machen, und wenn man es falsch macht, dann muss man das für teures Geld beim Händler ändern lassen. Inzwischen funktioniert fast alles inklusive AIS-Empfang. Nur das AIS-Senden klappt noch nicht, weil ich dafür noch ein Zusatzgerät (einen Antennensplitter) brauche. 

Danach kam der Plotter (die Navi, sozusagen) an die Reihe, der mir erstmal meine Karten nicht anzeigen wollte, bis ich ein Software-Update via Hotspot gemacht hatte. Danach musste ich noch rausfinden, wie ich von den Basiskarten des Geräts zu den gekauften Karten auf der SD-Karte umschalten kann. Nach einigem Probieren und Rätselraten ging auch das. 

Am Abend reichte es sogar noch für einen Testlauf mit Dichtmittel für unseren Kork-Decksbelag. Ich denke, das wird sich lohnen, besonders, wenn die Cockpitwände alle auch noch einen neuen Anstrich bekommen haben - aber das dauert wohl noch etwas.


(Keine Sorge, die Flecken lassen sich leicht beseitigen!)

Samstag, 31.5.

Heute war der Tag der Segel. Das war die wichtigste Aufgabe, denn wenn mal die Segel aus dem Salon verschwunden sind, habe ich dann auch Platz für weitere Arbeiten unter Deck. Schliesslich spürte ich die Zeit schon wieder davonlaufen - am Sonntagmorgen muss ich zurück in die Schweiz. 

Also Segel auspacken und auf den Hafenmeister mit einer Lieferung vom Marineversand warten. Der kam gegen halb 10 und brachte das ersehnte Silikonspray - ein Schmier- und Gleitmittel - mit. Damit konnte ich nun die Mastrustscher am Grosssegel und die Nut für die Genua schmieren und vorbereiten. Dann hatte ich etwas Zeit, das ungewöhnliche System zum Anschlagen der Segel zu studieren. Es resultiert daraus, dass da früher mal ein Rollbaum war und dann auf ein Bindereffsystem gewechselt wurde. Ich musste also den Baum demontieren und auf Deck legen. Das Grosssegel wird davor auf dem Vorschiff deponiert.

Dann das Grosssegel von vorne her in die Nut am Baum einfädeln und nach hinten ziehen, schliesslich am Ende des Baums festbinden.



Nun kann vorn das Grossfall angeschlagen werden und Meter für Meter ziehe ich das Segel hoch, während die Mastrutscher eingefädelt werden. Zwischendurch ist Zeit, um die Reffleinen einzubinden. Gut, dass wir das in den Osterferien schon einmal ausführlich studiert hatten - so fiel es mir leicht.


Die rutschen dank Silikonspray ganz hervorragend. Zuletzt wird auch der Baum wieder am Mast befestigt und das Segel zusammengepackt.

Für die Genua (das grosse Vorsegel) hole ich mir dann doch Hilfe vom Stegnachbarn. Auch das läuft problemlos - zum Neid des Nachbarn, der mir von seinen Problemen mit dem Setzen seiner Genua berichtete. Innerhalb weniger Minuten war das Vorsegel am Schiff.


Einrollen - auch die Rollanlage funktioniert einwandfrei - Grosssegel einpacken, und schon sieht CINNA NAUKA aus wie ein richtiges Segelschiff: segelklar. Einzig den Baumniederholer hatte ich vergessen, aber der war am Nachmittag schnell nachmontiert.


Den Nachmittag und Abend schlug ich mir mit Näharbeiten an der Sprayhood um die Ohren. 


Da waren doch 4-5 Meter Nähte nachzunähen, und das dauerte. Aber die Sprayhood steht jetzt wieder von allein und sieht ganz okay aus. Schöner wird's hoffentlich im Sommer. 

Mit Maststellen, Segel Anschlagen, Sprayhood und einigen Innenarbeiten sind wir jetzt abfahrtbereit - auch wenn noch Vieles zu tun bleibt. Nichtsdestotrotz: Anfang Juli sind noch ein paar Arbeitstage geplant, und danach geht CINNA NAUKA spätestens am 10. Juli endgültig auf Tour. Ich werde berichten...