Juist - Greetsiel
Nach sechs Tagen auf Juist segelten wir am Donnerstag, dem 25. Juli, nach Greetsiel. Es war etwas bewölkt, aber die Windvorhersage verhiess 3-4 Beaufort aus der richtigen Richtung für diese 15sm lange Überfahrt. Wir setzten schon im Juister Hafen das Grosssegel und segelten mit Maschinenunterstützung durch die Juister Hafenzufahrt hinaus, setzten bald auch die Genua dazu und kamen so gut voran, Generalrichtung Süd. Der Wind nahm dann aber doch etwas zu und erreichte 5, in Spitzenböen bis knapp 6 Beaufort. Aus Nordwest erzeugt das durchaus einen spürbaren Wellengang, aber CINNA NAUKA nimmt das - so scheint es - gelassen.
Kurz vor der Schleusenzufahrt in Leysiel nahmen wir die Segel runter und motorten durch einen kräftigen Regenschauer in die Schleuse. Danach klarte es wieder auf. Die Fahrt durch den See und das dazugehörige Vogelschutzgebiet war ganz wunderbar, und wir bestaunten bald die farbenfrohe Fischerflotte im Hafen von Greetsiel - eine der grössten im Wattenmeer.
Den Nachmittag und Abend verbrachten wir mit einem Spaziergang durch das schöne, aber von Touristen überlaufene Dorf Greetsiel, erledigten Einkäufe und bunkerten Diesel. Sehenswert neben dem Fischereihafen sind die beiden Windmühlen, von denen eine ein Café, die andere einen grossen Bioladen beherbergt.
Einen freundlichen Schwatz mit dem Hafenmeister und ein kleines Abendbrot später fanden wir uns dann zum Abschiedsumtrunk mit den Segelkolleg*innen von der Drift und von der Namaste. Hier werden sich unsere Wege trennen, da wir am nächsten Tag jeweils anderen Zielen entgegenstreben wollten. Nur mit der Drift wurde noch ein gemeinsames Segeln in die Ems geplant, wo wir nach Delfzijl abbiegen wollen und sie noch eine Station weiter den Fluss hochfahren. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Greetsiel - Groningen
Am Freitagmorgen starteten wir schon gegen 8:40 in Greetsiel, um möglichst gut die verschiedenen Hochwasserzeiten im Ley-Fahrwasser und in der Osterems zu nutzen und dann möglichst lange mit der auflaufenden Flut die Ems hinauffahren zu können. Mit drei anderen Booten standen wir in der Schleuse und fuhren hinauf in Richtung Nordsee, als uns eine Unaufmerksamkeit passierte, die zum Glück letztlich glimpflich ausging. Ein Halteseil der Schleuse, die hier ziemlich eng gespannt sind, verhakte sich hinter der Relingsstütze und liess sich - weil wir schon so hoch gestiegen waren - nicht mehr lösen. Die Relingsdrähte drohten zu reissen und die Relingsstütze drohte auszubrechen. Da half nur noch beherzter Abschneiden der zwei Drähte. Zum Glück habe ich die "nur" mit Tauwerk am Heckkorb befestigt, das sich leicht kappen liess. Jetzt hingen wir nur noch mit der Relingsstütze fest. Der Schleusenmeister liess die anderen Boote erst einmal ausfahren, dann schloss er die Schleuse wieder, fuhr mit und einen Meter wieder hinunter und - nachdem wir ausgehakt hatten - wieder hinauf. Das passiert uns sicher nicht noch einmal. Mit nicht vorhandener Backbordreling fuhren wir dann hinaus in die Nordsee und direkt an den Wartesteg der Schleuse, wo ich die unbeschädigten Relingsdrähte wieder mit dünnem Tauwerk befestigte. Dann konnten wir weiter und waren tatsächlich noch halbwegs im Zeitplan. Nur die Drift war in der Zwischenzeit schon ein halbes Stündchen voraus und das gemeinsame Segeln in die Ems passé.
Wir waren alle reichlich bedröppelt von diesem Ereignis, obwohl ja genau betrachtet nichts wirklich Gravierendes passiert war - zumindest keine bleibenden Schäden. Nun setzten wir in der Hafenzufahrt das Gross - im ersten Reff. Es zeigte sich, dass meine Konstruktion mit dem Einleinenreff funktioniert. Dann segelten wir zunächst mit Maschinenunterstützung, später dann ohne, durchs Leyfahrwasser und auf einer Abkürzung übers Watt weitern in die Osterems. Der Wind war wechselhaft, aber wir segelten standhaft weiter ohne Motor. Der Strom schob bisweilen mit fast zwei Knoten und half dadurch dabei, dass wir einigermassen im Zeitplan bleiben konnten. Vorm Einbiegen in das Hauptfahrwasser der Ems, wo wir schon von Weitem einige grosse Pötte hin- und herziehen sahen, mussten wir noch einmal recht hoch an den Wind. CINNA NAUKA machte das gut, nur für die Familie war das manchmal etwas anstrengend, In die Ems hinein konnten wir dann deutlich abfallen, dafür nahm dann der Wellengang doch erheblich zu und schaukelte uns ganz schön. Irgendwann waren wir direkt vor dem Wind. Das macht langsam und schaukelig. Zudem drohte uns die Zeit mit der Flut davonzulaufen Wir beschlossen also, nur unter Genua weiter motorzusegeln, und das erwies sich als goldrichtig, denn wir kamen bequemer und dank dem Flutstrom recht flott voran, bis wir bei Tonne 46 das Hauptfahrwasser querten und kurz danach in den industriell-eindrücklichen und langweiligen Zufahrtskanal nach Delfzijl einbogen. Da es erst kurz nach 15 Uhr war, wollten wir noch nach Groningen weiterfahren, mussten aber leider über eine Stunde vor der Seeschleuse in Delfzijl warten, bis wir zusammen mit einem Grossschiff und 6 anderen Segelbooten und diesmal problemlos hochgeschleust wurden.

Dann ging es durch den Kanal auf der Stehenden Mastroute durchs holländische Festland auf Groningen zu. Da es dabei über weite Strecken geradeaus geht, konnten wir auch erstmals unseren automatischen Pinnenpiloten einsetzen und ausprobieren: funktioniert und hält das Schiff - wenn er mal richtig eingestellt ist - problemlos auf Kurs. Gegen Halb neun am Abend erreichten wir Groningen und fuhren in den recht engen Hafen des Groninger Motorbootclubs ein. Dort fanden wir ein schönes Plätzchen, um uns vom bisher längsten Segeltag unserer Reise (41sm) zu erholen.
Groningen - Zoutkamp oder: Erstmals einhand unterwegs
Am Samstag verholten wir uns etwas mehr in Zentrumsnähe in den Oosterhaven. Von dort aus erkundeten wir die Stadt Groningen, die auf uns auf den ersten Blick etwas schmuddelig wirkte, dann aber doch ihre schönen Seiten zeigte. Hübsche Häuser, einfach schönes Ambienten mit den vielen Kanälen, alter und neuer Architektur. Wir kauften ein, spazierten durch die Stadt und assen gut.
Hier in Groningen war am Sonntagmorgen auch Abschied angesagt: Die Familie nahm den Zug zurück in Richtung Schweiz, während ich in Ermangelung einer Begleitung nun allein unterwegs war. "Einhand" sagt man im Jargon, nicht etwa, weil mir eine Hand abhanden gekommen wäre, oder weil - wie manche sagen, eine Hand zum Festhalten da ist und deshalb nur eine für die Arbeit übrig bleibt, sondern weil "hand" im Englischen auch einen Decksarbeiter meint, wie man beispielsweise am Englischen Ausdruck "All hands on deck" merkt, wo auch nicht zwanzig Hände aus den Luken gestreckt werden, sondern tatsächlich die zehn dazugehörigen Leute mitsamt den Händen an Deck springen. "Single handed" = "einhand" meint schlicht, dass nur eine Person da ist, die alle Arbeit macht.
Ich hatte mir Einiges angelesen und in den letzten Tagen auch von anderen Einhandfahrern abgeschaut. Wichtigstes Arbeitsinstrument: Auf jeder Seite eine Festmacherleine vorbereitet von der vorderen Mittelklampe (Ja, wir haben zwei auf jeder Seite.) auf die Schotwinsch im Cockpit. So konnte ich jederzeit längsseits an einen Steg gehen, aufstoppen, die Leine über einen Poller legen, dichtholen, und schon war ich fest. Das habe ich heute einige Male so gemacht, und es funktioniert fantastisch einfach.
Ich hangelte mich zusammen mit der Motoryacht Kalypso aus Bremen durch die wunderschönen Kanäle von Groningen durch zahlreiche Brücken bis ins Reitdiep, den Kanal, der nach Zoutkamp und ins Lauwersmeer führt.
In der Schleuse ins Reitdiep wurde es dann nochmal schwierig. Das Anlegen gelang nicht so gut, weil sich dreimal meine Fender an den Pfählen vor der Schleusenmauer verhakten und CINNA NAUKA sich jedes Mal quer in die Schleuse stellen wollte. Erst als ich nicht ganz so nahe an die Wand hinanfuhr und meine Mittelleine aus etwas Distanz über den Poller auf der Mauer warf, wollte es gelingen. Auch hier wieder das Motto: Nichts passiert, aber grosser Lerneffekt.
Vorbei an zahlreichen Brücken und idyllischen Plätzchen wie hier in Garnwerd ...
... ging es nach Roodehaan, wo sich der Kanal merklich verbreitert und vor Zoutkamp sogar fast schon wie ein richtiger See wirkt. Bei konstanten 4-5 Windstärken, die jetzt plötzlich bliesen, gab es sogar etwas Wellengang: Zoutkamp liegt voraus.
Letztlich erreichte ich gegen 17:20 Uhr den Hafen von Hnzegat gleich hinter Zoutkamp, wo ich CINNA NAUKA jetzt liegt. Alegemanöver ging problemlos, auch weil die Nachbarn immer freundlich mit den Festmachern helfen. Ausserdem gab es von der benachbarten Segelyacht Ronja, ihrer freundlichen Besatzung und deren mitgeführter Kaffeemaschine erstmal einen wunderbaren Milchkaffee zur Begrüssung. Das ist ja mal nett - vielen Dank!