Erst das Auto...
Nach unserem kleinen Lauwersmeer-Törn fuhren Melanie und Florian zum Arbeiten bzw. zum Praktikum zurück in die Schweiz. Beni und ich übernahmen die Aufgabe, für das Boot einen Warteplatz zu finden, von dem aus wir im Sommer zu unserem längeren Sommertörn aufbrechen können. Nach drei Telefonaten war das erledigt: Wir bekommen einen Platz in einem kleinen Werfthafen direkt am Van Harinxma-Kanal am Eingang von Harlingen. Nur zwei Kilometer weiter ist dann die Schleuse ins Wattenmeer.
Zuerst aber Logistik. Fahren wir erst mit dem Schiff und holen später das Auto, oder umgekehrt? Wir entscheiden uns für die zweite Variante und machen am Freitag eine kleine Frieslandrundfahrt mit Auto und ÖV. Zuerst fahren wir mit dem Auto nach Lauwersoog und besichtigen die dortige Seehundstation mit Spital. Dort erwartet uns eine sehr informative Ausstellung über die Geschichte des Wattenmeers und der holländischen Landgewinnung, aber auch ein Einblick in die Arbeit des Seehundespitals. Wir haben "Glück" und werden Zeugen einer Seehund-OP:
Dem armen kleinen musste ein gebrochener und infizierter Zeh amputiert werden. Aber nach Aussage der Ärzte wird das seine Überlebenschancen in keiner Weise beeinträchtigen.
Beni und ich fahren danach weiter nach Harlingen. Dort treffen wir den Hafenmeister, der uns den Platz zeigt und alles Wichtige (nicht viel!) erklärt. Sehr entspannt - ich habe ein gutes Gefühl. Vom Hafen aus, wo wir das Auto für ein paar Tage stehen lassen, gehen wir zu Fuss am Kanal entlang zum Bahnhof und machen uns auf die 3 Stunden lange ÖV-Rückreise via Leeuwarden und Groningen nach Zoutkamp. Von da sollte es am Samstag losgehen auf die Überführungsfahrt.
Zouttkamp - Dokkum
Angesagt wurden allerdings 6-7 Windstärken. Auf offenem Gewässer würde ich mich da nicht raustrauen, aber in den Kanälen sollte das eigentlich kein grosses Problem sein - war es dann auch nicht, auch wenn ich anfangs ein wenig Bammel hatte. Am Samstagmorgen brechen wir auf und können bei achterlichen 5-6 Beaufort tatsächlich mit leicht gerefftem Vorsegel die ersten 5 Meilen wunderbar segeln.
Selbst das recht kleine Lauwersmeer baut da schon ein wenig Welle auf. Dann aber geht es für die ersten Kanalmeilen direkt gegen den Wind, sodass wir das Segel einrollen und motoren müssen. Eigentlich dachte ich, dass ich später, wenn der Kanal wieder westwärts dreht, wieder das Segel ausrolle. So habe ich es am Morgen im Logbuch auch als Plan aufgeschrieben. Aber aus inzwischen unerfindlichen Gründen mache ich das dann doch nicht. Wir motoren einfach bis nach Dokkum weiter und passieren dabei zahlreiche Klapp-Brücken, die sich wie von Zauberhand zu öffnen beginnen, sobald wir kommen. Alles kameraüberwacht und fernbedient.
Dokkum ist ein sehr schönes kleines friesisches Städtchen mit zwei Windmühlen und hübschen Gässchen.
Dokkum - Leeuwarden
Am Sonntag ist mit Kanalsegeln definitiv nix. Die Chance haben wir am Samstag vertan. Heute weht strammer Gegenwind, und der macht die Fahrt doch etwas ungemütlich. Die schöne - wenn auch flache - Landschaft, zahlreiche Vögel (Seeadler, Rohrweihen, verschiedene Gänse, Reiher, Schnepfen etc.) und hübsche Dörfer - zum Teil mit Restaurants, bei denen man im Sommer direkt anlegen kann - entschädigen für die kalten Hände. Besonders idyllisch wird die Einfahrt nach Leeuwarden durch schmale Kanäle vorbei an hübschen Häuschen und Gärten.
In Leeuwarden liegen wir direkt am Kanal mit Zugang in die Innenstadt. Es gibt kleine aber gute Sanitäreinrichtungen für Schiffsreisende. Den Zahlencode als Zugang erhält man, wenn man per App die moderaten Liegeplatzgebühren bezahlt hat.
Leeuwarden - Harlingen
Hinter Leeuwarden wird es industrieller. Immerhin ist es heute windstill und dadurch nicht so ungemütlich zugig und kalt wie gestern. Der Kanal wird schnell breiter und vereinigt sich mit der grossen Durchfahrtsroute der Grossschiffe von Delfzijl nach Harlingen: dem Van Harinxma-Kanal. Tatsächlich begegnen wir einigen der grossen Binnenfrachter. Ansonsten ist es - da beinahe windstill - recht gemütlich. Beni macht es sich auf dem Vorschiff bequem...
Schliesslich erreichen wir gegen 13:20 Uhr unseren Bestimmungsort und machen am zugewiesenen Liegeplatz fest. In der ersten Stunde weht der leichte SO-Wind eine kräftige Brise von der Fischfabrik herüber, aber das lässt dann zum Glück schnell nach. Jetzt ist aufräumen, ausräumen, putzen angesagt. Wir hatten unterwegs schon eine Checkliste geschrieben, und die arbeiten wir jetzt ab. Endlich liegt gegen 16:30 Uhr CINNA NAUKA mit Persenning und gut in alle Richtungen vertäut auf ihrem Platz und kann nun auf den Sommer und auf unsere Rückkehr warten.
Kurzüberblick
Insgesamt waren wir in diesen Ferien ca. 65 sm mit CINNA NAUKA unterwegs.
Wir haben die Häfen in Lauwersoog, Dokkum, Leeuwarden und Harlingen kennengelernt und neue Erfahrungen mit dem Segeln und dem Kanalfahren gesammelt. Ausserdem konnten wir wieder einige Verbesserungen an CINNA NAUKA vornehmen. Aber es gibt weiterhin viel zu tun und wir freuen uns jetzt schon auf die Sommerreise. Wohin sie führt, bestimmen Lust, Laune und Wind. Vielleicht ins Wattenmeer nach Texel, Den Helder und dann durch die Nordsee weiter südlich und westlich? Oder ins und durchs Ijsselmeer und mitten durch Amsterdam in Richtung Englischer Kanal? Wir lassen uns überraschen und werden weiter berichten...









