Montag, 13. April 2026

CINNA NAUKA auf Tour - Überführung nach Harlingen

Erst das Auto... 

Nach unserem kleinen Lauwersmeer-Törn fuhren Melanie und Florian zum Arbeiten bzw. zum Praktikum zurück in die Schweiz. Beni und ich übernahmen die Aufgabe, für das Boot einen Warteplatz zu finden, von dem aus wir im Sommer zu unserem längeren Sommertörn aufbrechen können. Nach drei Telefonaten war das erledigt: Wir bekommen einen Platz in einem kleinen Werfthafen direkt am Van Harinxma-Kanal am Eingang von Harlingen. Nur zwei Kilometer weiter ist dann die Schleuse ins Wattenmeer. 

Zuerst aber Logistik. Fahren wir erst mit dem Schiff und holen später das Auto, oder umgekehrt? Wir entscheiden uns für die zweite Variante und machen am Freitag eine kleine Frieslandrundfahrt mit Auto und ÖV. Zuerst fahren wir mit dem Auto nach Lauwersoog und besichtigen die dortige Seehundstation mit Spital. Dort erwartet uns eine sehr informative Ausstellung über die Geschichte des Wattenmeers und der holländischen Landgewinnung, aber auch ein Einblick in die Arbeit des Seehundespitals. Wir haben "Glück" und werden Zeugen einer Seehund-OP: 

Dem armen kleinen musste ein gebrochener und infizierter Zeh amputiert werden. Aber nach Aussage der Ärzte wird das seine Überlebenschancen in keiner Weise beeinträchtigen.

Beni und ich fahren danach weiter nach Harlingen. Dort treffen wir den Hafenmeister, der uns den Platz zeigt und alles Wichtige (nicht viel!) erklärt. Sehr entspannt - ich habe ein gutes Gefühl. Vom Hafen aus, wo wir das Auto für ein paar Tage stehen lassen, gehen wir zu Fuss am Kanal entlang zum Bahnhof und machen uns auf die 3 Stunden lange ÖV-Rückreise via Leeuwarden und Groningen nach Zoutkamp. Von da sollte es am Samstag losgehen auf die Überführungsfahrt. 

Zouttkamp - Dokkum

Angesagt wurden allerdings 6-7 Windstärken. Auf offenem Gewässer würde ich mich da nicht raustrauen, aber in den Kanälen sollte das eigentlich kein grosses Problem sein - war es dann auch nicht, auch wenn ich anfangs ein wenig Bammel hatte. Am Samstagmorgen brechen wir auf und können bei achterlichen 5-6 Beaufort tatsächlich mit leicht gerefftem Vorsegel die ersten 5 Meilen wunderbar segeln. 

Selbst das recht kleine Lauwersmeer baut da schon ein wenig Welle auf. Dann aber geht es für die ersten Kanalmeilen direkt gegen den Wind, sodass wir das Segel einrollen und motoren müssen. Eigentlich dachte ich, dass ich später, wenn der Kanal wieder westwärts dreht, wieder das Segel ausrolle. So habe ich es am Morgen im Logbuch auch als Plan aufgeschrieben. Aber aus inzwischen unerfindlichen Gründen mache ich das dann doch nicht. Wir motoren einfach bis nach Dokkum weiter und passieren dabei zahlreiche Klapp-Brücken, die sich wie von Zauberhand zu öffnen beginnen, sobald wir kommen. Alles kameraüberwacht und fernbedient.

Dokkum ist ein sehr schönes kleines friesisches Städtchen mit zwei Windmühlen und hübschen Gässchen. 


Dokkum - Leeuwarden

Am Sonntag ist mit Kanalsegeln definitiv nix. Die Chance haben wir am Samstag vertan. Heute weht strammer Gegenwind, und der macht die Fahrt doch etwas ungemütlich. Die schöne - wenn auch flache - Landschaft, zahlreiche Vögel (Seeadler, Rohrweihen, verschiedene Gänse, Reiher, Schnepfen etc.) und hübsche Dörfer - zum Teil mit Restaurants, bei denen man im Sommer direkt anlegen kann - entschädigen für die kalten Hände. Besonders idyllisch wird die Einfahrt nach Leeuwarden durch schmale Kanäle vorbei an hübschen Häuschen und Gärten.

In Leeuwarden liegen wir direkt am Kanal mit Zugang in die Innenstadt. Es gibt kleine aber gute Sanitäreinrichtungen für Schiffsreisende. Den Zahlencode als Zugang erhält man, wenn man per App die moderaten Liegeplatzgebühren bezahlt hat.

Leeuwarden - Harlingen

Hinter Leeuwarden wird es industrieller. Immerhin ist es heute windstill und dadurch nicht so ungemütlich zugig und kalt wie gestern. Der Kanal wird schnell breiter und vereinigt sich mit der grossen Durchfahrtsroute der Grossschiffe von Delfzijl nach Harlingen: dem Van Harinxma-Kanal. Tatsächlich begegnen wir einigen der grossen Binnenfrachter. Ansonsten ist es - da beinahe windstill - recht gemütlich. Beni macht es sich auf dem Vorschiff bequem... 

Schliesslich erreichen wir gegen 13:20 Uhr unseren Bestimmungsort und machen am zugewiesenen Liegeplatz fest. In der ersten Stunde weht der leichte SO-Wind eine kräftige Brise von der Fischfabrik herüber, aber das lässt dann zum Glück schnell nach. Jetzt ist aufräumen, ausräumen, putzen angesagt. Wir hatten unterwegs schon eine Checkliste geschrieben, und die arbeiten wir jetzt ab. Endlich liegt gegen 16:30 Uhr CINNA NAUKA mit Persenning und gut in alle Richtungen vertäut auf ihrem Platz und kann nun auf den Sommer und auf unsere Rückkehr warten. 


Kurzüberblick

Insgesamt waren wir in diesen Ferien ca. 65 sm mit CINNA NAUKA unterwegs. 

Wir haben die Häfen in Lauwersoog, Dokkum, Leeuwarden und Harlingen kennengelernt und neue Erfahrungen mit dem Segeln und dem Kanalfahren gesammelt. Ausserdem konnten wir wieder einige Verbesserungen an CINNA NAUKA vornehmen. Aber es gibt weiterhin viel zu tun und wir freuen uns jetzt schon auf die Sommerreise. Wohin sie führt, bestimmen Lust, Laune und Wind. Vielleicht ins Wattenmeer nach Texel, Den Helder und dann durch die Nordsee weiter südlich und westlich? Oder ins und durchs Ijsselmeer und mitten durch Amsterdam in Richtung Englischer Kanal? Wir lassen uns überraschen und werden weiter berichten... 


Donnerstag, 9. April 2026

CINNA NAUKA auf Tour - Start der Saison 2026

CINNA NAUKA aus dem Winterschlaf wecken

Am Ostersonntag 2026 sind wir wieder in Zoutkamp angekommen und haben CINNA NAUKA in gutem Zustand vorgefunden. Die Abdeckplane war zwar völlig zerfetzt und es gab ein wenig Wasser in der Motorbilge und etwas in der Schiffsbilge. Aber sonst alles bestens. Das Schiff war schnell trocken und die Reste der Plane haben einen guten Platz im Müllcontainer gefunden. 

Die Maschine lief problemlos wieder an, und damit waren schon einmal die grössten Unwägbarkeiten positiv geklärt. Jetzt konnten wir uns an die lange Liste der kleinen und mittleren Aufgaben machen. 

Da wir im Büssli auf dem Campingplatzteil des Hafens übernachtet haben, erlaubte uns der Hafenmeister freundlicherweise, das Schiff erst einmal dorthin zu verlegen. So konnten wir besser arbeiten und hatten es nicht so weit zwischen Camper und Schiff. Melanie hatte schliesslich die Nähmaschine dabei und hatte grosse Pläne. 

Das ging am besten im Bus, aber wir mussten doch einige Male hin und her zum Probieren. Also an die Arbeit:

Wir haben : 
- zwei Bugklampen neu montiert,
- die Relingsdrähte an Backbord repariert(, die noch immer einen Schaden von unserem Ungeschick in der Greetsieler Schleuse vom letzten Sommer hatten),
- das Deck geschrubbt,
- die Segel angeschlagen,

- eine neue Persenning für CINNA NAUKA aus einem alten Spatz-Überzelt genäht (das war Melanies Grossprojekt).

Alles weitere konnte vorläufig noch warten, denn wir wollten das fantastische Wetter nutzen und ein bisschen segeln.

Erster Törn 2026: Zoutkamp - Lauwersoog - Zoutkamp

Am Dienstagmittag warfen wir die Leinen los und starteten ins Lauwersmeer. Wir wollten nach Lauwersoog, das bisher nur der Skipper kannte, die Familie wollte es aber auch mal kennenlernen. Ausserdem könnte sich dort die Gelegenheit bieten, noch ein (hoffentlich letztes) Mal den Mast zu ersteigen, um Verklicker und Topplicht zu reparieren.

Ausgangs der etwas engen Zoutkamper Fahrrinne setzten wir die Segel und segelten mit gutem Tempo auf Halbwindkurs durch die schöne Landschaft. Dann allerdings hiess es anluven. Hoch am Wind ging es weiter in Richtung Deich. Das war erstmal wieder gewöhnungsbedürftig mit der Krängung (Schräglage des Schiffs). Die Höhe hat auch nicht ausgereicht, um bis zur Einfahrt nach Lauswersoog zu kommen, sodass wir einige Wenden fahren mussten. Ein bisschen Manövertraining schadet ja grundsätzlich nie. Und die Crew gewöhnte sich langsam ans Schrägfahren und entspannte sich so nach und nach.

In Lauwersoog spazierten wir zuerst einmal über den Deich, schauten auf die Waddenzee (holländisch für das Wattenmeer) hinaus und genossen Kaffee und Kuchen. 

Znacht gab es im Restaurant eines nahegelegenen Feriendorfs, und dann folgte eine eher kühle Nacht im Schiff. Immerhin sorgte der Heizwürfel dank Landstrom für ein bisschen Wärme.

Am nächsten Morgen besuchte ich zuerst den Hafenmeister, um einen Krantermin auszumachen. Gekrant werden sollte aber nicht CINNA NAUKA, sondern ich, und zwar ins Masttopp. Dort konnte ich endlich den Verklicker richtig befestigen (im nunmehr 3. Versuch) und mich um unser defektes Topplicht kümmern. Das war ein wenig schwierig, und ich musste nochmal runter und wieder rauf, bis ich die richtige Idee hatte. Dann aber war oben alles soweit, dass man einschalten konnte - nichts. Also musste der Fehler nun unten zu suchen sein. Darum wollte ich mich später kümmern. 

Wiederum gegen Mittag machten wir uns auf die Rückfahrt nach Zoutkamp. Der Wind hatte um fast 90 Grad rechtgedreht, so dass wir zunächst im Schmetterling vor dem Wind fuhren. 

Dann mussten wie aber wieder kreuzen. Macht aber nichts. Wir kamen schon am frühen Nachmittag gut an. Das gab mir Zeit, nun auch die Verkabelung des Topplichts am Mastfuss anzuschauen. Nach dem rostigen Kabelsalat oben fand ich das gleiche auch unten vor. Zum Glück ist das Kabel im Mast noch in Ordnung, sodass wir jetzt wieder mit vorschriftsmässig funktionierender Navigationsbeleuchtung unterwegs sind.

Jetzt heisst es auf- und umräumen. In den nächsten Tagen fahren Beni und ich weiter durch die Kanäle auf der Stehende-Mast-Route. Wir werden berichten...